Mit dem „360°-Check“ der Handwerkskammer können Betriebe ihre Arbeitsweise unter sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien auf den Prüfstand stellen
Nachhaltigkeit zeigt sich bei „Pedalwerk“ in Baunatal nicht nur an der Solaranlage auf dem Dach, der weitgehend papierlosen Arbeitsweise im Büro und den Mehrwegkartons für die Fahrradlieferung. Sondern auch in der Mittagspause: Damit alle gemeinsam essen können, schließt der Laden mittags eine Stunde; einmal im Monat wird für alle gekocht. Auch damit kann der Betrieb bei der Bestandsaufnahme zur Nachhaltigkeit punkten, die er kürzlich mit Saskia Skaley von der Handwerkskammer Kassel gemacht hat. Denn Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur an Klimaschutz, Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz. Sondern auch an sozialen Aspekten wie einem guten Miteinander und gesunder Ernährung.

Seit knapp zwei Jahren bietet die Handwerkskammer Kassel den kostenfreien Check „Nachhaltigkeit im Handwerk 360°“ an. Dieser erfolgt auf Grundlage der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (englisch: Sustainable Development Goals, SDG), die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen. Anhand eines Fragebogens wird ermittelt, in welchen Bereichen der jeweilige Betrieb schon gut aufgestellt ist und wo es noch Handlungsbedarf gibt.
Im Fall von Pedalwerk ist vieles bereits im grünen Bereich – auch weil Inhaber Andreas Appel und seine Frau Sandra sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon intensiv auseinandergesetzt haben. So haben sie beispielsweise auch das Gebäude gedämmt, geben die ölgetränkten Lappen aus der Werkstatt in eine spezialisierte, umweltgerechte Reinigung und haben das Steinbeet vor dem Laden bepflanzt. „Mit dem 360°-Check wollen wir schauen, ob es noch Bereiche gibt, wo wir weitermachen können“, sagt Sandra Appel.
Rund drei Stunden dauert es in der Regel, alle Handlungsfelder durchzugehen, erklärt Saskia Skaley, Beraterin für Nachhaltigkeit und Energie der Handwerkskammer. Oft seien es kleine Stellschrauben, mit denen man Verbesserungen herbeiführen kann: etwa die Umstellung auf einen Ökostromtarif, plastikfreie Reinigungsmittel oder ein Pflanzkübel mit Blühpflanzen vor dem Eingang. „Wenn das jeder Handwerksbetrieb in unserem Kammerbezirk macht, sind es schon mehr als 17.000 Landeplätze für Insekten“, veranschaulicht sie.
Bei einer Betriebsbegehung achtet die Diplom-Ingenieurin darauf, ob an Gebäude, Anlagetechnik oder Beleuchtung noch Potenzial für mehr Energieeffizienz besteht. „Damit leistet man nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern kann auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens langfristig verbessern.“
Wo Betriebe ansetzen können, um ihre Nachhaltigkeitsprofil zu verbessern, lasse sich nicht verallgemeinern und sei unter anderem stark vom Gewerk abhängig, so Saskia Skaley. Gut aufgestellt sei das Handwerk in der Regel im sozialen Bereich. „Dadurch, dass die meisten Betriebe inhabergeführt und eher klein sind, machen sie automatisch ganz viel richtig, weil ein persönlicher Bezug zu den Mitarbeitenden besteht.“
Bei den bisherigen Checks sei vor allem das Ausbaugewerbe stark vertreten. „Die Betriebe berichten mir, dass viele Kunden gezielt nach Nachhaltigkeit fragen.“ Die Urkunde, die jeder Betrieb nach der Teilnahme am Check erhält, könne daher auch gezielt fürs Marketing, aber auch für Nachwuchs- und Fachkräftewerbung eingesetzt werden.
Sandra Appel von Pedalwerk hat auf den Social-Media-Post, den sie zum Nachhaltigkeitscheck veröffentlicht hat, eine außergewöhnlich große Resonanz erhalten – neben Likes auch viele persönliche positive Rückmeldungen. Der Betrieb nimmt aus dem Check den Impuls mit, künftig an der Baunataler Müllsammelaktion beteiligen und der sozialen Verantwortung auch durch Aktionen wie Schlauchflicken oder Bewegungsförderung für Schulklassen nachzukommen.
Um den Einstieg in die Auseinandersetzung mit betrieblicher Nachhaltigkeit zu erleichtern, bietet die Handwerkskammer ab sofort auch Kurz-Checks zu Teilbereichen an, etwa Energieeffizienz, Material und Lieferketten oder Nachhaltigkeit im Vertrieb. Das Handwerk sei – anders als große Unternehmen – aktuell zwar nicht verpflichtet, einen offiziellen Nachhaltigkeitsbericht vorzuhalten. Doch nicht nur bei der Ausschreibung von Aufträgen, auch bei der Kreditvergabe werde zunehmend auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet, sagt Saskia Skaley. „Mit dem 360-Check in Kombination mit dem kostenfreien E-Tool zur Erfassung der betrieblichen Energiedaten können sich unsere Betriebe ohne großen Aufwand für derartige Nachfragen vorbereiten.“
Auch Sandra Appel von Pedalwerk ermutigt dazu, das kostenfreie Angebot der Handwerkskammer zu nutzen, um beim Thema Nachhaltigkeit voranzukommen. „Ich glaube, jeder Betrieb, der sich damit auseinandersetzt, wird zukünftig davon profitieren.“
Ansprechpartnerin bei der Handwerkskammer: Saskia Skaley, Tel. 0561/7888-157, saskia.skaley@hwk-kassel.de
Autorin: Katja Rudolph / Handwerkskammer Kassel



