Bei der Premiere des Formats „update zukunftsfest“ ging es auch darum, wie der Ausbau der Elektromobilität einen Schub erhalten kann.
Warum kommt die E-Mobilität in Deutschland nicht richtig voran? Für Nicolas Spengler, beim Kasseler Energieversorger EAM zuständig für das Themenfeld sowie Vorstandsmitglied des Energienetzwerks deENet, liegt die Ursache weniger in der Technik als in politischen Strukturen, mangelnder Aufklärung und fehlenden Anreizen. Das machte er in einem Panel beim „update zukunftsfest – Energiewende in Nordhessen“ deutlich, zu dem die Unternehmensallianz #GemeinsamKlimaSchützen, Stadt Kassel, das Fraunhofer IEE und weitere Partner eingeladen hatten.
Andere europäische Länder wie die Niederlande oder Skandinavien zeigen, wie erfolgreiche E-Mobilität funktioniert. In Deutschland hingegen hemmen laut Spengler unter anderem zögerliche politische Maßnahmen die Entwicklung. Und auch auf Verbraucherseite gibt es gedankliche Hürden: Ladeinfrastruktur, Reichweitenangst und hohe Kosten schrecken ab – besonders Unternehmen.
Spengler sieht enormes Potenzial im bidirektionalen Laden: Autos stehen die meiste Zeit ungenutzt – dabei könnten sie Strom nicht nur beziehen, sondern auch zurückspeisen. „Das E-Auto wird so vom Kostenfaktor zur Einnahmequelle“, verdeutlicht er. Gerade für Unternehmen sei das wirtschaftlich und oft auch technisch interessant. Beispiel „Charge at Work“: Wenn Arbeitgeber Mitarbeitenden das Laden am Arbeitsplatz zu günstigen Tarifen ermöglichen, profitieren beide Seiten. Auch die gesetzlich geforderten Ladepunkte bieten Chancen für die Betriebe.
„E-Mobilität ist erklärungsbedürftig“, gibt Spengler zu bedenken. Es gehe darum, verständlich zu machen, welchen Mehrwert sie für Nutzer und Unternehmen bietet. Beteiligung der Menschen sei dabei zentral – besonders im ländlichen Raum, wo die Skepsis aufgrund von Entfernungen und dünnerer Ladeinfrastruktur oft größer als in urbanen Regionen ist.
Den Mut zur Umsetzung fassen
Auch Prof. Dr. Carsten Sommer von der Universität Kassel unterstreicht: E-Mobilität ist nur ein Baustein. Tief verwurzelte Autokultur, fehlende Alternativen und politische Zurückhaltung bremsen aus seiner Sicht die notwendige Verkehrswende. Die Technik sei vorhanden – was fehle, sei gesellschaftlicher Mut zur Umsetzung.
Für Spengler gehe es nun um Aufklärung und konkrete Angebote. „Die Technik ist da“, resümiert er. „Jetzt müssen wir sie auch nutzen.“
- Förderaufruf zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in ländlichen Regionen: Interessierte wenden sich an die Hessen Agentur
- Weitere Infos und Beratungsangebote unter www.strom-bewegt.de
Autor: Stefan Bönning / IHK-Magazin Wirtschaft Nordhessen




